Hellblade: Senua’s Sacrifice

Veröffentlicht am 01.03.2020 von Stephan in Reviews
In Hellblade: Senua’s Sacrifice erleben wir die Geschichte der keltischen Kriegerin Senua die, nachdem in ihrer Abwesenheit ihr Heimatdorf von Nordmännern angegriffen und alle Bewohner umgebracht wurden nur noch ein Ziel hat: Die Seele ihres Freundes Dillion zu retten. Senua begibt sich also auf die Reise nach Helheim, dem Reich der Toten, in dem die Göttin Hela über die Seelen der Verstorbenen wacht. Begleitet wird sie dabei von Stimmen, die nur sie hören kann.

Nach einer kurzen und stimmungsvollen Intronsequenz beginnt das Spiel mit der Ankunft im Land der Nordmänner. Was sofort auffällt ist, dass Hellblade auf jegliche Art von Interface verzichtet. Alle wichtigen Informationen zeigt das Spiel direkt in der Spielwelt. Wird Senua in einem Kampf getroffen verschwimmt die Sicht und Verletzungen werden sichtbar, das gleich gilt auch für ihre Widersacher. Zuerst jedoch haben wir noch Zeit die Grafik auf uns einwirken zu lassen, denn was Entwickler Ninja Theory hier abliefert ist schlicht atemberaubend. Von den Wassereffekten über die Vegetation bis zur Lichtstimmung – all das zeigt wie gut ein Spiel heute aussehen kann.



Das eigentliche Highlight ist aber Senua selbst. Nie zuvor habe ich eine derart real wirkende Darstellung eines Menschen in einem Spiel gesehen. Großen Anteil daran haben auch die per Motion Capture aufgezeichneten Animationen die auch subtile Mimik sehr überzeugend darstellen. Bereits nach wenigen Minuten treffen wir auf das erste Hindernis, ein Tor das anscheinend mit magischen Runen verschlossen ist. Das nun zu lösende Rätsel wird und später noch häufiger begegnen und läuft immer gleich ab. Senua fokussiert die Runen um sie sich einzuprägen. Danach liegt es bei uns, die Muster im aktuellen Abschnitt zu finden und das kann durchaus auch kniffelig werden, denn die Runen sind gut versteckt. Mal ist es ein Schatten, mal in dem Himmel ragenden Holzpfähle die im richtigen Winkel und der exakten Position fokussiert werden wollen.

Die Tore sind durch Runen verschlossen


Haben wir alle beisammen öffnet sich das Tor und es geht weiter. In der folgenden Zwischensequenz erfährt Senua, dass sie nicht direkt nach Helheim gelangen kann. Zu Hela gelangt sie erst dann, wenn sie weitere Prüfungen besteht und hier beginnt dann auch das eigentliche Spiel.

Wir begleiten Senua nun auf ihrem Weg, der nun immer tiefer ins Land der Nordmänner und deren Götter führt. Rätsel und Kämpfe wechseln sich ab wobei sich beide häufig wiederholen. Als Gegner stehen uns meist Schatten-artige Nordmänner mit Tiermasken gegenüber und nur die Endbosse stechen heraus. Das Kampfsystem ist simpel, angenehm intuitiv, wuchtig und intensiv inszeniert. Schade allerdings ist, dass die Kämpfe stets gleich ablaufen. Wir betreten ein größeres abgesperrtes Gebiet und müssen uns der in Wellen erscheinenden Gegnern erwehren. Erst wenn alle Gegner bezwungen sind, kann es wieder weitergehen. Die Rätsel sind zwar grundsätzlich ähnlich aufgebaut, allerdings gibt es hier etwas mehr Variationen. So müssen wir neben den allgegenwärtigen Runen-Rätseln auch durch magische Tore schreiten die den Zustand der Welt verändern. In einem weiteren Abschnitt gilt es immer im Licht zu bleiben da uns sonst das im Schatten lauernde Monster erwischt.

Überall in der Welt verteilt finden wir Runentafeln, die uns mehr über die nordische Mythologie erzählen. Diese Runen wirken zwar einerseits etwas unpassend da sie mich immer an Infotafeln in einem Museum erinnern, sind anderseits aber wirklich interessant, da in jedem Abschnitt die Geschichte des dort ansässigen Gottes erzählt wird und man tatsächlich ein bisschen gespannt ist wie die Geschichte ausgeht. Die Gebiete selbst sind häufig um das Gameplay herum gebaut. Das sieht dann oft so aus, das wir einen Bereich betreten, der von einer Tür verschlossen ist. Nun müssen wir ein Rätsel lösen oder einen Kampf bestehen, erst dann öffnet sich die Tür und wir gelangen in den nächsten Abschnitt in dem sich das ganze wiederholt. Gerade deshalb, weil das Spiel ansonsten so realistisch daherkommt fallen diese Stellen dann besonders auf und wirken unpassend. Glücklicherweise betrifft das in erster Linie das erste Drittel des Spiels.

An diesen Tafeln lernen wir mehr über die Götter


Je weiter wir uns Hela nähern, umso düsterer und unwirklicher wird die Welt und es wird immer weniger klar was real ist und was nur in Senuas Einbildung existiert. Senua ist sich sehr wohl bewusst, dass etwas nicht mit ihr stimmt, ist aber unfähig zwischen Realität und Wahrnehmung zu unterscheiden. Dazu kommen die Stimmen, die auch wir als Spieler hören und die permanent Situationen kommentieren und häufig auch widersprüchliche Meinungen aussprechen, geradeso, als würden sie verschiedene Aspekte von Senuas Persönlichkeit repräsentieren.

Abseits vom Rätseln und Kämpfen erzählt Hellblade aber in erster Linie die Geschichte von Senua und das auf sehr eindrückliche und intensive Weise. Unschwer erkennbar leidet Senua an einer Art Psychose, die sie Dinge sehen und hören lässt die nur in ihrer Einbildung existieren. Es ist also unklar wie viel von dem, was wir im Spiel erleben, tatsächlich real ist. Für Senua selbst ist das allerdings die Realität und alles, was die durchmacht und erleidet ebenso. Getrieben von ihrer Liebe zu Dillion geht sie sprichwörtlich durch die Hölle.

Alleine für die Thematisierung psychischer Erkrankungen in Videospielen hat Ninja Theory meiner Meinung nach Respekt verdient. Insbesondere deshalb, da sie das Thema tatsächlich ernsthaft und realistisch darstellen wollten und es nach der Meinung von Betroffenen und Experten auch geschafft haben. Abseits davon bleibt ein gutes Spiel mit repetitiven Rätsel, bombastischer Grafik, ausgezeichneten Sprechern und mitreisender Handlung.

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