Time is Strange

Veröffentlicht am 26.09.2018 von Stephan in Life is Strange
Zeitreisen sind immer wieder der Kern von kreativen Diskussionen und Theorien was mit dem Fakt zusammenhängen mag, dass wir über die Zeit noch so Vieles einfach nicht wissen. Die Zeit spielt auch in Life is Strange eine zentrale Rolle und so ist es wenig verwunderlich, dass auch das Spiel unzählige Theorien und Ideen hervorgebracht hat. Ich möchte in diesem Beitrag meine Theorien vorstellen und im Detail herausarbeiten, wie sich diese auf das Ende des Spiels auswirken. An dieser Stelle möchte ich noch darauf hinweisen, dass alles was nun folgt weder wissenschaftlich belegt noch vom Spiel oder den Entwicklern offiziell bestätigt wurde.

Die Theorie der Zeitreise



Dieser Beitrag enthält Details zur Handlung von Life is Strange


Zeitreisen in die Vergangenheit sind nicht möglich, dies ist zumindest laut dem derzeitigen Stand der Forschung sicher (3), das hindert Autoren allerdings nicht daran, dieses Konzept in verschiedensten Ausprägungen in ihre Geschichten zu integrieren und da wir es hier also mit einer rein fiktiven Angelegenheit zu tun haben, müssen wir uns zuerst die Frage stellen, welches Konzept der Zeitreise in Life is Strange Verwendung findet.

Eine Zeitlinie


Stellen wir uns vor, die Zeit wäre eine Filmkamera. Normalerweise läuft die Aufnahme kontinuierlich vorwärts, wenn wir aber die Zeit beeinflussen könnten, könnten wir den Film auch zurückspulen und die Aufnahme von dieser Stelle neu beginnen. Der Film würde dann ab dieser Stelle von der neuen Aufnahme überschrieben werden und die Aufzeichnung, die zuvor vorhanden war würde damit aufhören zu existieren.

Mehrere Zeitlinien


Bleiben wir bei dem Beispiel der Filmkamera, nur stellen wir uns diesmal vor, wir können den Film nicht anhalten oder zurückspulen, sondern können nur den Film als ganzes kopieren und dann die Aufnahme in einer anderen Kamera an einem früheren Zeitpunkt neu starten. Der originale Film würde einfach weiterlaufen, während die Aufnahme der anderen Kamera andere Dinge aufzeichnen kann. Diese sogenannte Viele-Welten-Interpretation (1) geht von der Annahme aus, dass jede Zeitlinie unveränderbar ist. Jegliche Änderung erschafft nur eine neue alternative Realität, verändert aber nicht die ursprüngliche Zeitlinie. Möchte man nun die Vergangenheit ändern und reist in der Zeit zurück, hätte dies auf die originale Zeitlinie keinen Einfluss. Aus der Perspektive des Zeitreisenden jedoch hat sich die Realität nach seiner Reise verändert.

Das unendliche Multiversum


Das sogenannte Multiversum ist eine alternative Idee, die ähnlich der Viele-Welten-Interpretation von mehreren parallelen Zeitlinien ausgeht. Der Unterschied: Das Multiversum enthält jede mögliche Realität, ganz, ohne dass es dazu einer Manipulation bedarf. Was heißt das jetzt konkret? Ein Beispiel: Wenn ich in unserer Realität eine Münze werfe und die Zahl oben liegt, dann wird es immer auch eine andere Realität geben, in der die Münze auf der anderen Seite geladendet ist. Ich benötige dabei keine Superkräfte, diese anderen Dimensionen entstehen von alleine, sind vielleicht auch schon immer dagewesen.



Die spannende Frage ist nun, welche dieser Theorien passt zu Life is Strange? Verändert Max immer wieder dieselbe Zeitlinie oder erschafft sie durch ihre Kräfte neue Realitäten die auch unabhängig weiter existieren? Kann sie am Ende vielleicht gar nichts ändern und springt nur in andere Realitäten? Im Spiel wird immer wieder von alternativen Realitäten gesprochen, aber die zentrale Frage ist: Existieren diese anderen Wirklichkeiten nur bis Max den Verlauf der Ereignisse verändert oder bleiben diese Zeitlinien auch bestehen, wenn Max wieder aus ihnen verschwindet? Leider habe ich auf diese Frage keine eindeutige und zufriedenstellende Antwort gefunden. Aufgrund der folgenden Hinweise aus dem Spiel ergibt für mich persönlich die Theorie der vielen Welten die unabhängig weiterexistieren aber am meisten Sinn.

Indizien für die Theorie der vielen Welten


In Episode 3 sorgt sich Max um Chloes Eltern in der alternativen Realität und geht davon aus, dass sie selbst nun in verschiedenen Realitäten existiert:

Somehow I existed in this whole other reality, but I don't know what happened... Now Max Caulfield exists in two or maybe three different realities... If these alternate lives exist, I hate the thought of William and Joyce finding Chloe like that.


In der Alptraumsequenz am Ende von Episode 5 trifft Max auf eine andere Version von sich selbst, die sie, wie die alternative Max behauptet, in einer anderen Realität zurückgelassen hat:

Max: Who... Who are you?
Alternativ Max: Holy shit, are you cereal? I'm you, dumbass. Or I'm one of many Maxes you've left behind...


Dontnot hat bestätigt, dass beide Enden kanonisch sind, was dafür spricht, dass beide mögliche Realitäten existieren. Eine ähnliche Aussage findet sich auch in der Beschreibung des bald erscheinenden Comics, der die Geschichte aus Staffel 1 weitererzählt. (2)

Importantly, as with the game, it must always be remembered that what we're creating here is one possibility out of many.


Zurückspulen und Bewusstseinstransfer


Max kann wie wir wissen die Zeit verlangsamen, anhalten und rückwärts ablaufen lassen. Außerdem kann sie sich mithilfe eines Fotos zu dem exakten Zeitpunkt und Ort des Abbilds zurückversetzen. Wenn Max die Zeit direkt manipuliert kann sie die Welt beobachten, sie sieht die Bewegung und kann z. B. die rückwärts ablaufenden Gespräche hören. Ein wichtiger Aspekt ist außerdem, dass sich Max an alles erinnert. Fokussiert sie dagegen ein Foto und springt in eine andere Zeit, ist der Übergang unmittelbar und es gibt Einschränkungen: Max kann sich nicht frei in dieser Zeit bewegen, sie ist auf einen kurzen Zeitabschnitt beschränkt und kann sich auch örtlich nur eingeschränkt bewegen. Kehrt sie wieder zurück, kann sie sich nicht an die Geschehnisse in der veränderten Realität erinnern.

Meine Theorie: Manipuliert Max die Zeit direkt, d. h. hält sie die Zeit nur an oder lässt sie rückwärts laufen bleibt sie physisch in der Welt existent. Springt sie dagegen mithilfe eines Fotos durch die Zeit verbleibt ihr Körper in der ursprünglichen Zeitlinie und nur ihr Geist tauscht kurzzeitig den Platz mit einer jüngeren Version von sich selbst. Verlässt sie den Fokus tauscht sie erneut den Platz und überschreibt das Bewusstsein der anderen Max. Was dabei mit der Max aus der Zeitlinie geschieht die Max verlassen hat bleibt unklar. Das Gespräch mit der anderen Max deutet für mich darauf hin, dass es definitiv andere Versionen gibt und diese auch bestehen bleiben. Man kann also annehmen, dass Max aus der Sicht der anderen nie die aktuelle Realität verlässt. Tatsächlich glaube ich, dass Max gesamte Reise durch die Zeit nur auf einer rein geistigen Ebene stattfindet.

Das Ende und warum wir keine Wahl haben


Wenn wir nun diese Theorie auf die finale Entscheidung am Ende von Episode 5 anwenden, erscheint die Konsequenz dieser Wahl in einem anderen Licht. Max hat tatsächlich nicht die Wahl über Leben und Tod. Sie kann nie wirklich entscheiden, ob Arcadia Bay oder Chloe überleben soll, denn wenn sich Max für die Rettung von Arcadia Bay entscheidet und dafür ein letztes Mal in der Zeit zurückreist, erschafft sie dadurch nur eine weitere alternative Realität. Die Realität in der Max und Chloe auf der Klippe vor dem Leuchtturm stehend den Sturm beobachten existiert weiter. Was beutet das also für Max's Entscheidung? Ist die Entscheidung sinnlos? Nein, denn Sie hat die Wahl, allerdings nicht die Wahl, welches Schicksal die Menschen erleiden, sondern die Wahl, in welcher Realität sie selbst weiterleben möchte. Für mich ist die Wahl klar, Max hat zu viel erlebt, als dass sie an dieser Stelle Chloe aufgibt und Arcadia Bay ist zumindest in der aktuellen Zeitlinie ohnehin verloren und nichts was Max tun könnte würde dies verhindern.



1) https://de.wikipedia.org/wiki/Viele-Welten-Interpretation
2) https://www.amazon.de/dp/B07G8NHZDC/?
3) https://de.wikipedia.org/wiki/Zeitreise#Reisen_in_die_Vergangenheit

Kommentare

Dein Kommentar wurde gespeichert, vielen Dank :)