Time is Strange Teil 2

Veröffentlicht am 07.05.2019 von Stephan in Life is Strange
Dieser Beitrag enthält Details zur Handlung von Life is Strange und dem Life is Strange: Dust

Im ersten Teil von Time is Strange habe ich die verschiedenen Theorien der Zeitreise vorgestellt und bin zu dem Schluss gekommen, dass das die Idee eines Multiversums die Ereignisse aus Life is Strange am besten erklärt. Inzwischen ist der Comic Life is Strange: Dust erschienen und in dieser Geschichte wird meine Theorie weitgehend bestätigt. Auch wenn unter Fans noch umstritten ist, wie weit die Ereignisse aus dem Comic Canon sind, so ist er doch offiziell und mit Unterstützung von Dontnod entstanden. Es gibt für mich somit keinen Grund die Informationen anzuzweifeln, zumal wir ja sonst keine weiteren Informationen haben. Er steht auf jeden Fall eine Stufe über den Fan-Theorien. Kurze Rede langer Sinn ;) der Comic bestätigt die Existenz mehrerer paralleler Realitäten. Ebenfalls bestätigt wird, dass Max mit ihrem alternativen Selbst den Platz tauscht, wenn sie in eine andere Zeitlinie springt. Im Comic erlebt Max unkontrollierte Sprünge in andere Realitäten und im Gegensatz zum Spiel kann sie Chloe daran teilhaben lassen. Auf diese Weise führt sie ein Gespräch mit Waren aus einer anderen Zeitlinie, der ihr mitteilt, dass „seine“ Max ebenfalls springt, in ihre ursprüngliche oder eine gänzlich andere Realität, dies wird offen gelassen.

Indirekt wird ebenfalls gezeigt, dass Max nicht für die Schaffung der alternativen Zeitlinien verantwortlich sein kann. Der Beweis: In einem Sprung treffen Max und Chloe auf Rachel die sie beide als Freunde begrüßt und sie offensichtlich beide gut kennt. Das Problem: Es gibt keine aus dem Spiel bekannte Zeitlinie in der sich Max und Rachel begegnet sind. Da Max ihre Kräfte aber erst zu Beginn des Spiels entdeckt könnte es folglich keine anderen Zeitlinien wie diese geben. Dass es diese aber offensichtlich gibt, beweist: Es muss mindestens eine Realität geben in der sowohl Chloe als auch Rachel leben und zusammen mit Max noch immer Blackwell besuchen. Diese kann aber dann nicht von Max erschaffen worden sein, sondern muss bereits weit früher entstanden sein. Was das für den Sturm und Max's Kräfte bedeutet bleibt nach wie vor unklar.

Mit dem Ende des Comics habe ich allerdings so meine Probleme. Da Max immer öfters aus ihrer in eine andere Realität gezogen wird, beschließt sie schweren Herzens diese Zeitlinie zu verlassen um ihre Heimat, d. h. die passende Zeitlinie, zu suchen. Sie selbst spricht davon, dass eine andere Max ihren Platz einnehmen möchte. Sie fokussiert ein Foto und kann so die Barriere der Welten einmal mehr überwinden. So findet sich Max schließlich in einer Realität wieder, in der nicht nur Chloe, sondern auch Rachel wohlauf sind. Ich frage mich, wie sie in diese Realität gelangen kann, ohne dabei ihr alternatives Selbst aus dieser Welt zu verdrängen. Müsste sie diese Realität nicht ebenso abstoßen wie diejenige, die sie zuvor verlassen hat? Schließlich entsprechen beide nicht der Welt, aus der sie ursprünglich stammt. Die einzige Zeitlinie, auf die das zutrifft, ist die aus dem Anfang von Life is Strange, und zwar bevor sie ihre Kräfte das erste Mal einsetzt. Ab dem Zeitpunkt in dem sie Chloe mithilfe ihrer Kraft das erste Mal rettet, befindet sich Max in alternativen Realitäten. Ich denke, dass ihr diese Tatsache nicht bewusst ist oder erst ab Ende wirklich klar wird. Wenn man in Ruhe darüber nachdenkt sind die Folgen erschreckend. Immer wenn Max in eine andere Zeitlinie wechselt, hat sie es mit anderen Versionen der Menschen zu tun. In letzter Konsequenz bedeutet das, dass sie ihre „echten“ Freunde und ihre Familie verloren hat. Auch wenn es auf den ersten Blick anders scheint: Niemand ist mehr der gleiche. So traurig es ist, die Chloe die Max als Kind gekannt hat, ist tot. In anderen Zeitlinien sind die Ereignisse aus Life is Strange allerdings nie eingetreten bzw. sind anders abgelaufen. Einige dieser alternativen Realitäten erleben wir selbst. Wie kann Max also in diese andere Realität wechseln? Nach allem was wir wissen, ist das nicht möglich ohne eine andere Version von Max zu verdrängen. Das ist auch nur logisch. Max kann offensichtlich nur in Zeitlinien springen, in denen sie selbst am Leben ist. Als sie im Comic unabsichtlich in eine Realität springt, in der sie selbst bereits gestorben ist, muss sie diese sehr schnell wieder verlassen. Es besteht natürlich die Möglichkeit, dass Max in der Lage ist diese Beschränkung zu umgehen. Allerdings frage ich mich dann warum sie nicht einfach in ihrer derzeitigen Zeitlinie bleibt? Chloe ist am Leben, die beiden beginnen gerade ein neues Leben und haben Freunde gefunden. Mehr als genug Gründe um zu bleiben. Max begründet ihren Abschied damit, dass sie aus dieser Realität gezogen wird und eine andere Max ihren Platz zurück will. Als sie dann aber verschwindet, bleibt Chloe allein zurück, die Max aus dieser Realität scheint nicht zurückgekommen zu sein. Dass es eine andere Version von ihr geben muss ist sicher. Immerhin hat sie ein Jahr lang in Seattle bei ihren Eltern gelebt. Alleine durch die Existenz ihrer Eltern bzw. dadurch, dass diese wissen, dass sie eine Tochter haben ist klar, dass eine andere Max existiert hat bevor sie deren Platz eingenommen hat. Allerdings, wo ist sie? Eine mögliche Erklärung wäre, dass die zwar wieder in ihrer Realität angekommen ist, allerdings nicht genau an dem Ort, an dem die „originale“ Max diese verlassen hat. Das ist bereits zuvor passiert, z. B. als Max Chloe vor Nathan rettet und dann von den Toiletten zurück in das Klassenzimmer versetzt wird, oder am Ende des Comics, als Max von Arcadia Bay direkt an den Strand von Santa Monica versetzte wird.

Das Multiversum ist nun eine Tatsache und viele Fragen werden dadurch beantwortet. Mich lässt dieser Gedanke mit einem Gefühl der Leere zurück. Wäre die Zeit nur eine gerade Linie, dann wäre so vieles einfacher. In einer Welt mit nur einer Realität habe ich die Möglichkeit Chloe endgültig und dauerhaft zu retten. Keine der anderen, düsteren Welten würde Wirklichkeit. In einem Multiversum hingegen existiert alles parallel. Wie bei Schrödingers Katze, die gleichzeitig tot und lebendig ist, existieren alle Realitäten gleichzeitig. Max, Chloe und Rachel, sie sind gleichzeitig tot und am Leben, gleichzeitig traurig und glücklich. Ich kann mich deshalb über das Ende nicht so freuen, wie ich es gerne würde. Sicher, Max hat eine sehr gute Zeitlinie ausgewählt und alles scheint gut, ich kann allerdings nicht ignorieren, dass Chloe nicht die Möglichkeit hat dorthin zu gelangen und in ihrer Realität alleine zurückbleiben muss.